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Lunacek ist weg - aber was jetzt?

Ulrike Lunacek und damit der erste Regierungskontakt der Grünen mit der Kultur ist also Geschichte. Die Ernennung der erfahrenen EU-Politikerin Ulrike Lunacek zur Kulturstaatssekretärin war sicherlich ein personalpolitischer Fehler, zeigt aber auch das schwierige Verhältnis der Grünen zur Kultur und zur sogenannten Hochkultur im Speziellen. Anscheinend interessiert sich kaum jemand bei den Grünen so sehr für Kultur (Eva Blimlinger natürlich ausgenommen), dass die Partei eine entsprechende Persönlichkeit mit den Kulturagenden betrauen könnte.
Lunaceks Job als Staatssekretärin war wohl mehr als Belohnung und gemütlicher Ausklang einer langen Karriere als Politikerin gedacht. Preise verleihen, sich halbwegs regelmäßig bei Kulturveranstaltungen blicken lassen und wenn es dann ein, zwei Millionen mehr im Budget gibt, dann sollte das für eine Legislaturperiode reichen. Mehr hatte Lunaceks Vorgänger Gernot Blümel auch nicht zustande gebracht, seine Frequenz auf Kulturveranstaltungen war minimal.
In der Corona-Krise rächt es sich jetzt, keine mit der Praxis und den Nöten der Kultur vertraute Persönlichkeit in dieser Position zu haben. Aber schon Lunaceks erste öffentliche Auftritte vor Corona waren nicht wirklich dazu angetan, Vertrauen in der Kulturszene zu schaffen. Man merkte ihr zu sehr an, dass sie wohl keine intensive Kulturkonsumentin ist und wie sich in ihrer Erklärung zu ihrem Rücktritt zeigte, war sie offenbar von der (teils heftigen) Kritik der vergangenen Wochen zutiefst persönlich verletzt, gleichzeitig aber auch blind dem eigenen Versagen gegenüber. Dass sie für ihre Rücktrittserklärung völlig alleine vor die Journalist*innen und Kameras treten musste, zeigt, dass bei den Grünen nicht besonders nett mit Kolleg*innen in Nöten umgegangen wird. Es ist in der österreichischen Politik bislang nur sehr selten vorgekommen, dass ein Rücktritt ohne Dank aus der eigenen Partei und ohne Parteifreund*in im Rücken erklärt werden musste. Offenbar wollte sich Werner Kogler das angekratzte grüne Image nicht noch mehr anpatzen lassen.
Die nicht vorhandene Strategie zur Bewältigung der Corona-Krise aus dem Kulturressort und das Desinteresse des Bundeskanzlers an der Kultur ist jedenfalls eine echte Bankrotterklärung der „Kulturnation“ Österreich.

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