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Eigentum verpflichtet – Sammler verlassen Berlin

In nur zwei Wochen kündigen gleich drei Privatsammlungen in Berlin ihren Rückzug aus der Spreemetropole an: Die Sammlung Flick, Thomas Olbrichts Me Collectors Room und zuletzt Julia Stoschek. Glaubt man dem bürgerlichen Feuilleton, dann handelt es sich bei diesem „Exodus“ um nichts weniger als um einen Weltuntergang für Berlins Kunstszene, die somit wieder einmal auf ihr Ausstellungswesen reduziert wird. Mehr noch: Es wird ignoriert, dass besagte Sammlungen ja durchaus nicht unumstritten sind: So stört es nicht wenige, dass die Flick-Sammlung mit Geldern finanziert wurde, die u.a. ,„generiert“ wurden aus der Arbeit von NS-Zwangsarbeitern im Dritten Reich. Die wenig aufregenden Ausstellungen im Me Collectors Room kamen bei der Kritik oftmals nicht gut an und der Sammlung Stoscheck wird eine zu große Nähe zu musealen Positionen (und deren Beratern) vorgeworfen. Trotzdem schreibt z. B. „Die Welt“ von einem „Kahlschlag“ für Berlins Kunstszene – und nicht nur diese Zeitung kennt die Ursache für dieses vermeintliche Desaster genau: Das Versagen der Berliner Kulturpolitik, deren Arbeit gekennzeichnet sei durch „Misstrauen, Ignoranz, fehlende Unterstützung“ (Der Tagesspiegel) den Sammlern gegenüber. Solche Vorwürfe erweisen sich schnell als überzogen, besonders jetzt im Fall von Julia Stoschek: Die Unternehmenserbin ist nämlich schlicht nicht bereit eine anstehende Mieterhöhung zu bezahlen. Einen, wenn man so will, Schicksalsschlag also hat sie zu verkraften, den vor ihr schon tausende KünstlerInnen ertragen mussten und müssen - doch diese können nicht einfach die Stadt verlassen um irgendwo anders, wo die Mietkosten geringer sind, ihre Zelte aufschlagen. Übrigens handelt es sich dabei um eine Strategie, die der üblichen neoliberalen Produktionslogik in der Globalisierung exakt entspricht. Mehr noch: laut Deutschem Grundgesetz gilt, dass „Eigentum verpflichtet“. Es ist also keineswegs eine vom Steuerzahler finanziell zu unterstützende gönnerhafte Geste dieser megareichen Sammler*innen, wenn sie ihre Bestände öffentlich zugänglich machen, sondern eher schon eine staatsbürgerliche Pflicht.

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