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TEFAF 2020: Königin trotz(t) Corona

Wäre doch nur immer Corona! Auf einmal ist selbst auf der VIP-Preview der Tefaf, der Königin der Kunstmessen, Platz in den Gängen, bei den Austern gibt es keine Schlange, und die Händler haben Zeit für Gespräche. Eigentlich ist das ein angenehmer Zustand. Doch der Hintergrund ist leider ernst. Nanne Dekking, Chairman der Tefaf erklärt: „Für uns Händler ist es das wichtigste, dass die großen Sammler kommen. Wir wissen von einigen Sammlern und Museumsgruppen, die nicht kommen werden, zumindest am ersten Wochenende. Aber wir hoffen, dass diese Leute sich doch am zweiten Wochenende durchringen können, wenn die große Nachrichtenwelle abgeebbt ist. Wir müssen das abwarten.“

Einstweilen behelfen sich einige Aussteller mit einer Stiff Upper Lip oder dem Ausweichen auf eine mediale Präsentation ihrer Auslage, wie etwa der Baseler Antikenhändler Jean-David Cahn, der einzelne Stücke in kurzen Youtube-Videos vom Stand aus vorstellt.

Nach den vergangenen Jahren mit nur wenigen Highlights, haben gerade die Aussteller der älteren Kunst dieses Mal eine ganze Reihe an Werken sogar im zweistelligen Millionenbereich im Repertoire. Von Van Gogh sind gleich zwei Landschaften aus den 1880er Jahren zu haben, einmal bei Dickinson (London/New York) und bei Hammer Galleries (New York), zu Preisen zwischen 12 und 15 Millionen US-Dollar. Letztere präsentieren sogar ein Gemälde von Edgar Degas zu einem Preis, den sie lediglich eingrenzen: „Oberhalb des Rekordpreises (37 Mio. Dollar für ein Pastell) und unterhalb von 50 Millionen Dollar.“

Doch auch für weniger Geld gibt es Museales: Das Fragment eines Kruzifixes von Giovanni Pisano bei Erstteilnehmer Lochhead aus London für 3,4 Millionen Euro, „Herkules und Omphale“ von Lucas Cranach dem Älteren und Werkstatt bei Senger aus Bamberg (4,8 Mio. Euro), einen gewaltigen Berliner Kronleuchter für 650.000 Euro bei Neuse aus Bremen, einen monumentalen japanischen Buddha aus dem 12. Jahrhundert bei Sydney L. Moss (London) für 1,5 Millionen US-Dollar oder eine an Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ erinnernde Küstenlandschaft von Lyonel Feininger für 1,25 Millionen Euro bei Wienerroither & Kohlbacher aus Wien.

Doch was hilft es, wenn die potenten Einzelkunden und Museumsgruppen aus den USA und anderswo ausbleiben! Für viele Branchen stellt die Pandemie in der eng verzahnten Weltwirtschaft mit ihren komplexen Lieferketten eine große Herausforderung dar. Im globalisierten Kunstmarkt hat die Krise noch eine andere Facette. Viele Marktteilnehmer, und besonders die größeren, machen einen bedeutenden Teil ihres Umsatzes auf Messen. Wenn einige von ihnen ausfallen oder unter plötzlichem Besucherschwund leiden, steht das eigene Geschäftsmodell in Frage. Dekking, selbst erfahrener Händler, ist gelassen: „Ich habe genügend Krisen miterlebt im Kunstmarkt, um zu wissen, dass viele Dinge, von denen wir dachten, dass sie den Markt verändern, nicht eingetreten sind. Aber im Moment weiß ich nicht, wie der Markt auf diese sehr ernste Situation am Ende reagieren wird.“

Von solchen Konjunkturdellen weitgehend unberührt dürfte Heribert Tenschert bleiben. Sein Antiquariat Bibermühle in Ramsen in der Schweiz ist unangefochten die erste Anlaufstelle für Buchmalerei. Endlich spiegelt auch sein Stand diese Stellung wider. Nach 15 Jahren hat er seine wohnzimmergroße Koje runderneuert und als heimelige Gentleman's Library eingerichtet. An den Wänden hängen neben den jeweiligen aufgeschlagenen Presziosenen Tablets, auf denen sich genüsslich durch die Bücher blättern lässt. Das Antiquariat ist in der Jetztzeit angekommen.

TEFAF 2020
07 - 15.03.2020

MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre)
6229 Maastricht, MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre), Forum 100
Tel: +31 43 383 86 66 , Fax: +31 43 383 88 08
Email: info@tefaf.com
http://www.tefaf.com
Öffnungszeiten: täglich 11-19 h


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