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Art Rotterdam: Dreidimensional in Rotterdam

Skulpturen und Installationen an nahezu jedem Stand überraschen auf der Art Rotterdam. Das erstaunt deshalb, weil die kleine Messe mit 100 Ausstellern als Verbrauchermesse (in gutem Sinne) gilt.
Das Publikum und die Käufer sind fast ausschließlich gutbürgerliche Sammler, die fürs heimische Wohnzimmer kaufen. Die Kuratoren aus der weiteren Region kommen zwar auch, spielen bei den Standplanungen der Aussteller jedoch eine kleinere Rolle.

Direktor und Eigentümer Fons Hof bestätigt den Eindruck: "Tatsächlich haben wir einige Galerien animiert, Skulpturen zu bringen, aber das ist keine Politik." Die Aussteller brächten die sperrigeren Arbeiten zumeist aus eigenem Antrieb: "Für viele der niederländischen Galerien, ist das hier der wichtigste Moment im Jahr. Auch wenn nicht alles einfach verkaufbar ist, wollen die Galerien doch einen Eindruck hinterlassen. Es ist immer gut, einen Mix am Stand zu haben."

Die Wiener Galerie Koenig2, der experimentelle Ableger von Christine König, setzt hingegen ganz auf Kuratoren und stellt Felix Burger die gesamte Koje für seine Installation "Don't be Maybe" zur Verfügung. Der Preis des Ensembles in Höhe vom 40.000 Euro übersteigt folglich das Preisniveau der Messe deutlich. Bei 10-12.000 Euro ist hier für gewöhnlich Schluss. Zeller van Almsick aus Wien fällt mit einer Einzelpräsentation von Charlotte Klobassa ebenfalls auf.

Trotzdem kommen die Aussteller in der Regel auf ihre Kosten. Arne Linde von ASPN aus Leipzig ist daher sehr entspannt, selbst wenn sich zur Eröffnung noch nicht viel getan hat an ihrem Stand mit Arbeiten von Jochen Plogsties und dem ganz jungen Benedikt Leonhardt. Zusammen mit Martin Kudlek aus Köln stellt sie das deutsche Kontingent, das aaber schon mal größer war. Nach Gründen für die Zurückhaltung der Nachbarn befragt, hat Hof auch keine Antwort parat: "Ich weiß es wirklich nicht. Wir hatten hier Jahre mit 8 oder 9 deutschen Ausstellern. Vielleicht liegt es an der in diesem Jahr zeitgleichen Material Art Fair in Mexiko [zusammen mit Zona Maco, Anm. des Autors], wo viele Deutsche sind." Doch wahrscheinlich sei das Phänomen ein strukturelles: "Ansonsten beschränken sich gerade kleinere - aber nicht nur - Galerien auf ihren jeweiligen Heimatmarkt und eine große internationale Messe."

Das Format "Podium" mit einer Gruppenschau einzelner Positionen verschiedener Galerien wurde heuer nicht fortgeführt. Der Sponsor möchte es aber nächstes Jahr wieder fördern, so der Direktor. Dafür hätten einige Aussteller jetzt größere Stände genommen.

Ein Wiedersehen gibt es in der wie immer sehenswerten Videosektion, die wesentlich liebevoller gestaltet ist als auf anderen Messen. Ellen de Bruijne Projects aus Amsterdam zeigt dort Pauline Curnier Jardins Arbeit "Qu'un Sang Impure", die in Berlin kürzlich den Preis der Nationalgalerie gewonnen hat. Ein Hinweis auf die in Deutschland prestigeträchtige Auszeichnung fehlt erstaunlicherweise.

Ganz auf Video, Installation und Performance gepolt scheint der niederländische Nachwuchs zu sein. Die traditionell in einer eigenen Halle präsentierten Stipendiaten des staatlichen Mondriaan Funds zeigen kaum Malerei, dafür viel Raumgreifendes. Die Malerei ist nicht tot. Doch die junge Künstlergeneration interessiert offensichtlich Anderes. Es ist allerdings anzunehmen, dass der Markt das schon richten wird. Bis dahin erfreuen die frischen Impulse, die von hier hoffentlich ausgehen.

Art Rotterdam
06 - 09.02.2020

Van Nellefabriek
3044BC Rotterdam, Van Nelleweg 1
Tel: +31 10 742 02 58
Email: info@artrotterdam.com
http://www.artrotterdam.com
Öffnungszeiten: 11-19 h


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