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Die Zukunft der SPD: Sozial am Ende?

Die Probleme der ehemaligen „Volkspartei“ SPD, und damit auch der deutschen Sozialdemokratie, sind wohl bekannt: Mitgliederschwund in der Partei, eklatante Stimmenverluste bei den Wahlen, ein „Proletarierschwund“ im Land und programmatische Orientierungslosigkeit fallen da vor allem ins Gewicht. Probleme wie diese werden dann auch in der von Hans-Jürgen Hafner und Gunter Reski engagiert kuratierten Ausstellung „Die Zukunft der SPD“ diskutiert.

Da ist z. B. Claus Föttingers Bar „Die Zukunft der SPD“, 2019, die die Historie der SPD vorstellt: Als Tresen dient ein Zeichenschrank der Galerie, die Schubladen sind nun ausgezeichnet mit Rubriken wie „Nahles – Rücktritt angekündigt“. Dem Tresen beigestellt ein Kühlschrank aus einer früheren Bar-Installation Föttingers, jetzt finden sich dort keine Getränke mehr zur kostenlosen Mitnahme, leer kündet er nun von asozialen Trostlosigkeit. Auf der Tür des Kühlschrankes hängt ein Screensaver, auf dem in assoziativer Anordnung Fotos u.a. von bekannten Politikern der Partei flimmern. Über dem Ganzen hängt ein großes Lichtobjekt zur Aufklärung der Szenerie. Sein innerer Leuchtkörper, gestaltet in einem „retro-future“ Design a la Buckminster Fuller, strahlt in Rot – soweit es die hier aufgeklebten Dokumente zur Geschichte der Partei noch zulassen. Der transparente Lampenschirm schließlich ist beklebt mit diversen Statements zu ihrer Zukunft: „In die neue Zeit SPD“ steht da zu lesen, daneben ein gezeichnetes Porträt vom sozialdemokratischen Shootong Star, dem Juso-Chef Kevin Kühnert.

Vor dieser selbstverständlich zu benutzenden Bar steht Manfred Pernices vergleichsweise „unterkomplex“ daherkommende, aber ebenso überzeugende Skulptur „airberlin“, 2019, in der drei mehr oder weniger rote, schon gebundene Krawatten in einer ausgedienten Glasvitrine eines Schmuckladens liegen – wohl ein kurz und bündiger Kommentar zu patriarchalischen Strukturen innerhalb der SPD, nur zweiunddreißig Prozent weibliche Mitglieder nämlich verzeichnet die Partei zurzeit.

Zur Ausstellung gehört auch eine Serie fiktiver Wahlplakate, die in Form von Digitaldrucken u .a. von Michaela Meise, Stefan Panhans und Susi Pop extra für die Ausstellung erstellt wurden. Letztere(r) z. B. hat einem Photo von Noch-Kanzlerin Angela Merkel das antikapitalistische Zitat „Gegen die Kosten der Freiheit“ beigefügt und so die Frage danach gestellt, inwieweit die SPD den Abgang der Kanzlerin und die damit entstehende Lücke für ihre eigene Politik wird nutzen können.

Anna Meyer, eine der leider nur achtunddreißig Prozent weiblichen Künstlerinnen der Ausstellung, schließlich hat für diese Ausstellung ihr Fahnenbild „Das Kreuz mit der SPD“, 2019, beigesteuert, das in dem für die Künstlerin typischen post-popigen „bad painting“-Stil am Beispiel des Tempelhofer Feldes und seiner derzeitigen Neunutzung als „Freizeitpark“ von der problematischen Rolle einer linksliberalen „Arbeiterpartei“ in einem scheinbar nur noch konsumorientierten Netzwerk-Kapitalismus inklusive „digitaler Unvernunft“ zu erzählen weiß.

So spannend die Ausstellung auch ist - die Pressemeldung fragt klugerweise selbstreflexiv: Ist „Die Zukunft der SPD“ eine „thematische und/oder kommerzielle Ausstellung, ein längst überflüssiger oder dringend zu startender Diskurs, ein Politikberatungsseminar …“? Die Frage wie politische Kunst heute aussehen kann und welche Not/Wendigkeit sie haben könnte, also wird hier gestellt. Und diese Frage ist gerade jetzt eine entscheidende.

 

Die Zukunft der SPD
14.12.2019 - 22.02.2020

Zwinger Galerie
10783 Berlin, Mansteinstraße 5
Tel: +49/30-28 59 89 07
Email: office@zwinger-galerie.de
http://www.zwinger-galerie.de
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19, Sa 12-18 h


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