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Queer Art Space Vienna: So queer

Queere Kunst ist noch immer vom Mainstreamkunstmarkt, der westlich, weiß und männlich dominiert ist, ausgeschlossen und existiert meist nur in einer Subkultur. Dennoch, anhand der gesellschafts- und kulturpolitischen Entwicklungen am Ende des 20. Jahrhunderts wurde offene Queerness zu einem wichtigen Faktor in der zeitgenössischen Kunst- und Kulturproduktion. Queere Kunst arbeitet sehr oft mit dem argumentativen und imaginativen Potential des Visuellen und läßt Heterotopien entstehen, die den pluralen Ansatz des Begriffs Queer bestätigen. Subversive Themen und Praxen wie Transmedia und Transgenre werden aufgegriffen und Kunst als Medium zur Schaffung eines kontextuellen ethischen Bewusstseins (in sozialen, wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Zusammenhängen) herangezogen.

Gezeigt werden in der von Gülsen Bal, Michael Kaufmann und Gerhard Pruegger kuratierten Schau Werke von Künstler_innen, die man vom Galerienmarkt und Museumsraum kennt - wie auch Kunstschaffende, die außerhalb der queeren Szene noch einen Markt suchen.

Das Titelbild aus der Serie „Queer Revolutionaries“ von Aschka&Kopp wurde im Kunsthistorischen Museum inszeniert. Es verweist auf Referenzen subversiver Elemente in der Kunstgeschichte. Diese Parameter, die im Laufe aller Epochen immer wieder auftauchen, werden im heutigen Kunstverständnis als queer analysiert, waren aber meist unauffällig und manchmal unbeabsichtigt im Sujet und Kontext des Kunstwerkes versteckt.

Durch die heutige globale Vernetztheit werden die Grenzen des Körperkontexts aufgeweicht und führen zu einer neuen künstlerischen Performativität, die sich mit Begriffen wie Gender, Klasse, Ethnizität aber auch Material, Technologie sowie sozialen, politischen Themen auseinandersetzt.
Mit der Ausstellung wird nun ein Versuch unternommen, einen Einblick in diese queere Gegenwartskunstszene in Wien zu geben. Die österreichische Bundeshauptstadt als traditionelle Stätte der Kunst und als Schmelztiegel verschiedenster Kulturen verfügt über eine dynamische queere Kunstszene. Ein „Safe Space“ abseits des heteronormativen Mainstreams sowie des kommerziellen Drucks der Kunstwelt hat sich entwickelt, wenn queere Kunstpraktiken wie auch kritische Diskurse (Lectures, Talks) darüber ihren Platz finden.

Asgar/Gabriel suchen nach dem subversiven Potential von Malerei, de- und reaktivieren dafür Repräsentationsmodi, Narrative und Techniken wie Filter auf Snapchat, Instagram und dergleichen.

In ihren Kugelschreiberzeichnungen untersucht Assunta Abdel Azim Mohamed das Zwischenmenschliche in täglichen Beziehungen und Handlungsabläufen von Menschen. Mit scharfem Blick seziert sie die starren Mienen der Figuren und legt tiefenpsychologische Minenfelder frei. Die Protagonisten finden sich in surrealen Szenarien wieder und scheinen von einer inneren Rastlosigkeit geplagt. Lustlos geben sie sich neuen Sinnesräuschen hin, ohne sich dabei tatsächlich zu amüsieren. Tod, Schmerz, Memento mori- und Vanitasmotive sind dabei immer wiederkehrende Themen. Gleichzeitig werden Symbole aus unterschiedlichen Bereichen destilliert und zu einer dichten Bildersprache montiert.

In ihrer Strategie der Verdoppelung als Autorin und Protagonistin tritt Julia Faber dem Betrachter ohne Scham gegenüber. Sowieso weiß sie über alle Normbrüche Bescheid und macht gängige Sujets zu eigenen Bildern und eigenen Handlungsräumen. Dies gilt auch für jene Werkgruppe, in die sie Apparate und Gerätschaften wie Keuschheitsgürtel, Korsette oder solche zur Perfektionierung des Körpers einbezieht, die in der Kunst immer wieder als Bezugsmodelle vorkommen und als Prothesen Künstler seit jeher faszinierten. Die Künstlerin führt sie als historischen Bezug in ihr Werk ein und setzt sie ins Verhältnis zu Perfektion und Optimierung.

Jakob Lena Knebl hinterfragt in ihren Arbeiten Identitätskonstruktionen und Begehren innerhalb unterschiedlicher Genres, Materialitäten und Disziplinen. Dabei entstehen multimediale Installationen "Begehrensräume", die sich eindeutiger Zuschreibungen entziehen und  eine Dynamik zwischen Humor und Sinnlichkeiten produzieren. Die Materialitäten von Stahl und Textil treten im Fashion Drive gemeinsam in Erscheinung.

Fast immer geht es Toni Schmale um die innere Verbindung. Wie können einzelne Teile unsichtbar zusammenhalten und die Illusion von etwas ganzem und zusammengehörenden erzeugen.
Ähnlich ist das Übergangsobjekt - eine Verbindung von innerer und äußerer Realität - zugleich me und not-me. Sie zeigt eine Faust - geballt, verbunden mit einem Heizkörper.

Den drei Kuratoren Gülsen Bal, Michael Kaufmann und Gerhard Pruegger zeigen einen Querschnitt der prosperierenden queeren Kunstszene Wiens. Sie queerten auch die kuratorische Praxis, in dem Sie einen offenen Zugang wählten, der alle Beteiligten inkludiert und dadurch die traditionellen Hierarchien bewusst aufbricht. Indem die Ausstellung unterschiedlichste Themen und Medien einbindet, wird der plurale Kontext des Begriffs „Queer“ hier nochmals unterstrichen. 

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Künstler_innen: Asgar/Gabriel, Aschka & Kopp, Assunta AAM, Julia Faber, Julia Fuchs, Robert Gabris, Matthias Herrmann, Mario Kiesenhofer, Jakob Lena Knebl, Andrew Mezvinsky, Martina Mina & Sabine Schwaighofer, Roland Reiter, Michal Rutz, Leila Samari & Maryam Sehhat, Toni Schmale, Walter Seidl/Stefan Geissler, Philip Timischl, Violet, Peter Wehinger

Queer Art Space Vienna
29.05 - 14.06.2019

Kunsthalle Exnergasse
1090 Wien, Währinger Straße 59, 2. Stiege, erster Stock
Tel: +43 (0)1 401 21-41 oder +43 (0)1 401 21-42, Fax: +43 (0)1 401 21-67
Email: kunsthalle.exnergasse@wuk.at
https://www.wuk.at/kunsthalle-exnergasse/
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 13:00 - 18:00,
Samstag 11:00 - 14:00 Uhr


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